Studie: Arbeitsmarkt braucht Hunderttausende Zuwanderer

Wanted: Hunderttausende Zuwanderer für den deutschen Arbeitsmarkt. Um den Bedarf zu decken, werden auch Migranten aus Nicht-EU-Ländern immer wichtiger, sagt eine Studie. Experten sehen die Rekrutierung als XL-Job.

Gütersloh (dpa) - Ärztemangel, Pflegenotstand, Fachkräfte-Engpässe im Handwerk, tausende Landwirte vor dem Rentenalter: Der deutsche Arbeitsmarkt braucht einer Studie zufolge mittel- und langfristig Jahr für Jahr mindestens 260.000 Zuwanderer.

In einer alternden Gesellschaft werde das Angebot an Arbeitskräften ohne Migration bis zum Jahr 2060 um rund 16 Millionen Personen - also um fast ein Drittel - massiv schrumpfen. Das prognostiziert eine Untersuchung im Auftrag der Bertelsmann Stiftung, die am Dienstag in Gütersloh veröffentlicht wurde. Experten sagen dazu: Es wird ein äußerst harter Job, so viele möglichst qualifizierte Menschen aus dem Ausland zu rekrutieren.

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Bis 2035 brauche der deutsche Arbeitsmarkt jährlich 98.000, zwischen 2036 und 2050 nahezu 170.000 und zwischen 2051 und 2060 dann 200.000 Zuwanderer aus Nicht-EU-Ländern - im Schnitt mache das also 146.000 Migranten aus Drittstaaten pro Jahr von 2018 bis 2060.

Das Bundesinstitut für Berufsbildung (BIBB) kommt bei seiner Prognose von 2018 bis 2035 sogar auf einen Bedarf von 286.000 ausländischen Arbeitskräften im Jahr, wie Experte Tobias Maier der Deutschen Presse-Agentur schilderte. Ist das zu schaffen? «Einfach wird das nicht, denn es muss ja auch von der Qualifikation her passen.» Neben Pflege, Gesundheit und einigen Handwerksberufen sei der Personalmangel auch in den Bereichen Logistik und Bahnverkehr stark, sagte der Arbeitsmarktforscher. Und, ein noch wenig beachtetes Feld: «Rund 40 Prozent der heute in der Landwirtschaft tätigen Erwerbspersonen wird im Jahr 2035 jenseits des Renteneintrittsalters sein.»

Die Wirtschaft sehnt Erleichterungen beim Zuzug von Arbeitskräften herbei. Schon recht bald, wenn ab etwa 2025 verstärkt die Baby-Boomer in Rente gehen, könnte sich der Mangel erheblich verschärfen. Eine möglichst passgenaue Steuerung der Zuwanderung sei kein Allheilmittel gegen den Fachkräftemangel, aber ein wichtiger Baustein, betonte Bertelsmann-Migrationsexperte Matthias Mayer.

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Dräger stellte jedenfalls klar: Selbst wenn die Rente mit 70 eingeführt werde oder Frauen gleich viel arbeiteten wie Männer, lasse sich der Fachkräftebedarf mit inländischen Mitteln definitiv nicht decken. Die Digitalisierung werde den Arbeitskräftebedarf - entgegen der häufigen Annahme - nicht merklich senken. Sie könne stattdessen zu einer qualitativen Verschiebung führen, mit erhöhter Nachfrage nach Experten - Technikern, Meistern, Akademikern.

 

Quelle: Freie Presse vom 12.02.2019, Yuriko Wahl-Immel, dpa