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Essen auf Rädern!

Wie kriegt man die Erzgebirger ins Restaurant? „Mit ehrlichem Essen“, ist Markus Schäker überzeugt. Zusammen mit seiner Partnerin Agnieszka übernahm der Berliner im April 2025 das traditionsreiche Huthaus am Molchner Stollen in Pobershau. Und obwohl das Huthaus mit seiner zentralen Lage direkt am Schaubergwerk in der Touristen-Hochburg Pobershau punktet, sind 90 Prozent seiner Gäste Einheimische, die immer wiederkommen – weil’s hier einfach schmeckt.

MONTAGS GEÖFFNET

Es ist Montag und das Gasthaus hat auf. „Klar“, lacht Agnieszka Gmur, kurz Aga, die mit ihrem Lebensgefährten Markus Schäker im April 2025 das Huthaus am Molchner Stollen in Pobershau übernahm. „Alle anderen Restaurants sind montags geschlossen, deshalb haben wir geöffnet.“ Agnieszka und Markus kommen aus Berlin, sie ist gebürtige Polin. Markus ist seit 22 Jahren in der Gastronomie, führte Locations mit bis zu 800 Plätzen und doch stand für ihn irgendwann die Frage: „Willst du dich entwickeln? Oder einen vermeintlich sicheren Job?“

Sich selbstständig zu machen, stand für ihn eigentlich nie auf dem Plan und dann erreichte ihn die Nachricht seiner Freunde aus Pobershau: „Das Huthaus steht leer. Hast du Lust?“ Aga rief sofort: Ja! Sie wollte schon lange raus aus Berlin – zu viel Ablenkung, zu viel Stress. „Berlin ist schön zum Anschauen, aber nicht zum Wohnen“, sinniert sie. Markus war etwas zögerlicher. Einfach so alles abbrechen? Alles aufgeben? Die Karriere in der Hauptstadt, die gut bezahlte Führungsposition? Mit ungewisser Zukunft, ob es funktioniert? Und dann noch in der Selbstständigkeit? Dazu diese Erzgebirger … manche munkeln, die seien so „speziell“. „Doch ich habe schnell gemerkt: Speziell sind die, die mich vor den Erzgebirgern gewarnt haben, obwohl sie selbst welche sind“, lacht Markus. 

Und wenn wir Ruhetag haben, erkunden wir einfach all die Sehenswürdigkeiten, die unser Lieblingslandstrich zu bieten hat.“

Und so nahm die Idee langsam Form an. Das Huthaus kannten sie, Pobershau auch. Seit vielen Jahren verbringen Markus und Aga ihren Urlaub im Erzgebirge. „Weil’s hier einfach schön ist“, strahlen sie. „Das finden übrigens viele Berliner. Und die Bayern auch. Wir haben viele Gäste aus diesen Regionen und die meisten sagen: Wir kommen wegen euch!“

Wie schafft man das? Mit ehrlichem Essen und mit ehrlichem Service. „Aga ist vorn, draußen bei den Gästen“, erzählt Markus. „Und ich bin glücklich in der Küche.“ Selbst im größten Stress ist er die Ruhe in Person. „Ich könnte alles kochen“, sagt der erfahrene Gastronomie-Chef, „doch wir haben uns bewusst für eine kleine Karte entschieden. Wir haben nur Gerichte im Angebot, die wir selbst probiert haben und die uns gefallen.“ Gute deutsche Hausmannskost, kein Schickimicki. Dafür mit Liebe gekocht, bodenständig und mit besten Zutaten aus der Region. Das Bauernfrühstück ist saftig und prall, die Kürbissuppe dampft verführerisch im Weckglas. Die Würze: Sehr fein, zartschmelzend, mit überraschenden Nuancen. Serviert wird sie auf einem Brettchen, in das das Logo des Huthauses eingraviert ist. „Die Holzbretter haben wir selbst gemacht“, erzählt Aga, „in echter erzgebirgischer Handarbeit!“ 

HERAUSGEPUTZT

Fünf Wochen hatten sie Zeit, das Huthaus nach ihren Vorstellungen herzurichten. Echt eindrucksvoll, was aus dem alten Gasthaus geworden ist. Der Stolleneingang, der dem Huthaus den Namen gab, ist nach wie vor der erste Hingucker, wenn man die schwere Holztüre aufmacht und in die geräumige Gaststube tritt. Doch rundherum wirkt es angenehm modern. Kräftig grüne Wände erinnern an den Fichtenwald des Schwarzwassertals, die hölzerne Bar ist in coolem Grau gestrichen. Die Deko ist schick, erzgebirgisch, dezent. Einladend, nicht überladen. Dazwischen kleine Hingucker, wie die Tischlampen aus den legendären „Blauer Bison“ Flaschen von Lautergold – natürlich ebenfalls selbstgemacht. Das alte Huthaus hat sich ordentlich herausgeputzt. 1529 wurde es erstmals erwähnt und ist damit eines der ältesten Zeugnisse des Bergbaus in der Region. Ursprünglich diente es der Unterbringung von Bergleuten und Werkzeugen. Seit 1934 ist es als Gasthaus in Betrieb. „Die Stadt Pobers hau hat uns beim Umbau fantastisch unterstützt, sowohl finanziell als auch mit ganz viel Wohlwollen und Zuspruch“, erzählen Markus und Agnieszka. Der Einsatz hat sich gelohnt, denn neben den zahlreichen Touristen schätzen auch die Einheimischen das neue Gasthaus sehr. „90 Prozent unserer Gäste sind von hier“, berichtet Aga. „Wenn sie das erste Mal kommen, sagen sie immer den gleichen Satz: ‚Wir haben nur Gutes von euch gehört.‘ Und wenn sie einmal hier waren, kommen sie wieder.“

Deko auf dem Teller brauch ich keine. Alles, was ich koche, sieht schon von alleine richtig gut aus!

Viele buchen auch gleich das ganze Gasthaus für ihre nächste Feier. Dann legt Markus richtig los. „Ich liebe Büffets. Da kann ich mal richtig zeigen, was ich drauf hab.“ Dass Markus weitaus mehr kann als Schnitzel und Gulasch (die bei ihm fantastisch schmecken), sieht und schmeckt man schon beim Salat: Rote Bete, Sesam, Rucola, Sellerie, fein mariniert und veredelt mit einem zauberhaften roten Dressing. „Viele sind schon alleine deswegen bei uns Gast“, strahlt der begeisterte Koch.

ŠKODA-LIEBE

Dass auch bei größeren Gesellschaften alles reibungslos läuft, dafür sorgt ein fantastisches Netzwerk aus Aushilfen, die immer gerne kommen. „Weil wir sie nicht überfordern und weil die Chemie stimmt“, sagt Markus. Die Verbindungen in der Region sind über Jahre gewachsen, denn Markus und Aga sind schon seit neun Jahren in Pobershau aktiv: beim legendären Škoda-Treffen. „Angefangen hat alles mit meinem Bruder“, erzählt Markus. „Wir wohnten fast 1000 Kilometer voneinander entfernt und suchten nach Möglichkeiten, uns zu treffen. Eines Tages erzählte er mir vom Škoda-Treffen am Katzenstein und sagte: ‚Komm mal mit!‘ ‚Ich hab doch gar keinen Škoda‘, meinte ich, und er antwortete: ‚Dann kauf dir einen!‘ Das hab ich getan und bin jetzt absoluter Fan. Ich fuhr mit zum Škoda-Treffen nach Pobershau, zuerst als Gast, später half ich beim Catering. Jetzt bin ich komplett hier gelandet. Und Aga wollte auch mit hierher. Was für ein Glück! Nun wohnen wir hier, wo wir sonst immer Urlaub gemacht haben.“

Wohin fahren sie eigentlich jetzt in den Urlaub? „Na ins Erzgebirge!“, lacht Aga. „Hier gibt’s noch viele Jahre lang so vieles zu entdecken. Und wenn wir Ruhetag haben, erkunden wir einfach all die Sehenswürdigkeiten, die unser Lieblingslandstrich zu bieten hat.“


Text: Sylva-Michèle Sternkopf

Bilder: Erik Wagler


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