Fitness, Freundschaft, Feuerwehr!
„Auf die Plätze. Fertig. Los!“, schallt es über den Sportplatz in Königswalde und ein Trupp aus zwei Kameradinnen und Kameraden der Jugendfeuerwehr läuft im Sprint los. Ein Schlauch wird ausgerollt. Ein schwerer Verteiler wird mitgeschleppt. An einer markierten Linie wird beides abgelegt und gekuppelt. Sogleich läuft der nächste Trupp mit einem Strahlrohr los. Stück für Stück baut die 6er-Gruppe in hohem Tempo eine 70 Meter lange Löschstrecke auf. Zudem werden Hürden durchlaufen, Knoten gebunden und zum Schluss drei Zielbehälter mit der Kübelspritze anvisiert.
Als die stellvertretende Jugendwartin Amy Mielke auf die Stoppuhr schaut, stehen dort 1 Minute und 50 Sekunden. „Ein guter Trainingslauf“, lobt die 22-Jährige ihre Jugendgruppe. Unter den orangenen Helmen kullern die Schweißperlen über das Gesicht. Es ist warm, die Sonne brennt. Die nächsten drei Trupps machen sich für die Gruppenstafette bereit. Und laufen los. Jede Gruppe absolviert drei Durchgänge. Das Training dient der Vorbereitung auf den Pokal der Sächsischen Jugendfeuerwehren. Wieder einmal haben es die schnellen Königswalder ins Landesfinale geschafft.

2023 gewannen sie den Vizelandesmeister-Titel. Diese Erfolge sind jedoch keine Selbstläufer. Jeden Dienstag zwischen 17:00 und 19:00 Uhr findet das Jugendtraining bei der Freiwilligen Feuerwehr Königswalde statt. Ein Trainerteam mit vier aktiven Feuerwehrkameradinnen und -kameraden engagiert sich hier: Jugendwartin Doreen Mroske, Amy Mielke, Falk Grimm und Uwe Mroske.
Wir sind sehr froh, so viel Nachwuchs zu haben.
Von einer Generation zur nächsten
Sie geben ihre Erfahrung aus dem aktiven Dienst an die nächste Generation weiter. Derzeit zählt die Jugendfeuerwehr 20 Kinder und Jugendliche von 8 bis 18 Jahren. „Wir sind sehr froh, so viel Nachwuchs zu haben“, betont Falk Grimm. Erstaunlich, wenn man bedenkt, dass die Feuerwehr Königswalde, gegründet bereits 1877, derzeit 39 aktive Kameradinnen und Kameraden hat. Neun weitere Mitglieder engagieren sich in der Alters- und Ehrenabteilung.
Feuerwehrmann oder Feuerwehrfrau zu sein, wird im 2000-Seelen-Dorf von Generation zu Generation weitergegeben. Amy kam 2011 mit acht Jahren zur Jugendfeuerwehr. Heute trägt sie den Dienstgrad Oberfeuerwehrfrau. Schon ihr Uropa Günter leitete die Wehr von 1957 bis 1966, auch ihr Vater war in der Feuerwehr, die jüngere Schwester ist in der Jugendfeuerwehr. Solche Familiengeschichten haben etwas mit dem Zusammenhalt der Dorfgemeinschaft zu tun.
Damit diese Generationenfolgen nicht abreißen, engagiert sich Amy als stellvertretende Jugendwartin gemeinsam mit Doreen, Falk und Uwe für den Feuerwehrnachwuchs. Amys Beruf als Erzieherin ist eine ideale Kombination zu ihrem Ehrenamt. Sie arbeitet in einer Kita in Oberwiesenthal und hat ein gutes Händchen dafür, Kinder zu fördern, Wissen weiterzugeben, Fähigkeiten zu stärken, aus Einzelnen ein Team zu formen.
Aus Spiel wird eines Tages Ernst
Was die jungen Kameradinnen und Kameraden der Jugendfeuerwehr hier spielerisch lernen, wird später im ernsten Feuerwehreinsatz entscheidend sein: Im gefährlichen Einsatz eine Löschkette aufzubauen, dabei routiniert zusammenzuarbeiten und sich aufeinander verlassen zu können, um Menschenleben zu retten.
„Helm ab.“ Nach einer anstrengenden Trainingsstunde ist Pause. Gemeinsam wird im Schatten des Feuerwehrhauses eine Limonade gezischt. In den Gesprächen geht es dabei nicht nur um die Feuerwehr. Mountainbikefahren ist bei den Jungs ein großes Thema. Natürlich ohne E-Motor, weil sie es einfach draufhaben, jeden Berg mit Muskelkraft zu erklimmen. Wer die Feuerwehrjugend in Königswalde so beobachtet, wird feststellen: Das ist eine sehr selbstbewusste, sportliche und fitte Truppe.




Im zweiten Teil des Trainings wird an einer Station geübt, schnell und gezielt einen Schlauch auszurollen – „Schlauchkegeln“ genannt. An einer anderen Station werden Knoten gelegt, um Werkzeug schnell einzubinden und ins Obergeschoss zu ziehen. Es ist interessant zu sehen, wie die Älteren ihre Kniffe an die Jüngeren weitergeben. Voneinander zu lernen, ist das A und O. „Wichtig ist das sichere Beherrschen der Grundfähigkeiten, die Zusammenarbeit im Trupp und der Gruppe. Dann kommt die Schnelligkeit mit der Zeit dazu“, erläutert Falk Grimm, der von Beruf Tischler in Jöhstadt ist. Bäcker, Elektriker, Landwirte, Metallbauer – so bunt ist die Berufswelt der Feuerwehr Königswalde. Alle bringen ihre Fähigkeiten ein.
Die Feuerwehr – eine eigene Welt
Die Feuerwehr habe ihre eigene Sprache, sagt Falk: Im Einsatz agieren Angriffstrupp, Wassertrupp und Schlauchtrupp. Auch diese Begriffe als Verständigungsbasis lernen die Jugendlichen automatisch mit. Erstaunlich ist, dass man in Sachsen schon mit 16 Jahren in den aktiven Dienst eintreten kann. Dabei übernimmt man als Feuerwehranwärter- oder anwärterin schon früh Verantwortung, wenn man an Einsätzen teilnimmt. „Sicher nicht gleich in vorderster Front“, betont Falk Grimm, „aber jede Aufgabe im Einsatz ist wichtig.“ Sukzessive absolvieren sie diverse Ausbildungen und das alles unentgeltlich und in der Freizeit: Ausbildung zum Truppmann oder zur Truppfrau, Sprechfunk- und Truppführer-Lehrgang und vieles mehr.
„Das Leben bei der Feuerwehr steht nie still“, wirft Amy ein, „immer wieder gibt es neue Herausforderungen.“ Löschen von Elektroautos, zunehmende Waldbrände, neue Technik, Öffentlichkeitsarbeit über Social Media – die Liste ist lang. Die Feuerwehr ist eine eigene Welt mit hochspezialisiertem Wissen, viel persönlichem Engagement und tiefer Freundschaft, die hier Kameradschaft heißt.
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Das Leben in Königswalde ohne Feuerwehr? Nicht möglich.
„Ich kenne das Leben in Königswalde gar nicht anders als mit der Feuerwehr. Unsere Familie war schon immer im Ort. Ich kann mir auch nicht vorstellen, hier einmal wegzugehen.“
Amys nächste Schritte in die Zukunft sind in Königswalde und der Region geplant: Sie agiert jetzt als Regionalleitung im Kreis Annaberg und ihre Hochzeit steht ins Haus. Ihr Verlobter Mickey – auch ein Feuerwehrmann – hat um ihre Hand angehalten. Amy hat Ja gesagt.
Fotos: Erik Wagler
Text: Carsten Schulz-Nötzold
