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Fast 300 Besucher beim Job-Kontakt in Zschopau: Unternehmen entdecken neue Fachkräfte aus aller Welt

Großer Andrang im Bürgersaal Zschopau: Fast 300 Besucherinnen und Besucher aus zahlreichen Nationen, vor allem Ukraine, Venezuela und arbabisch sprechender Raum,  nutzten am Freitag den „Job-Kontakt“, um mit regionalen Unternehmen ins Gespräch zu kommen. Die Veranstaltung wird vom Welcome Center Erzgebirge der Wirtschaftsförderung Erzgebirge GmbH gemeinsam mit Partnern der Fachkräfteallianz Erzgebirge organisiert. Die Jobmesse für Geflüchtete und Zugewanderte zeigte einmal mehr, wie groß sowohl der Fachkräftebedarf im Erzgebirge als auch das Interesse an Arbeit und Ausbildung in der Region ist. Viele Unternehmen zeigten sich überrascht vom Zuspruch und der Vielfalt der Besucher.

Bei der Deutsche Post DHL sieht man im Format eine wichtige Ergänzung zu klassischen Recruiting-Formaten. „Grundsätzliche Frage ist: Wie kommen wir an geeignetes Personal? Wir sind viel auf Jobmessen – aber diese Zielgruppe findet man dort selten“, sagte Recruiter Tom Jossa. Besonders wichtig seien Motivation, ein Führerschein und Offenheit im Umgang mit Menschen. Sprachbarrieren seien hingegen oft weniger problematisch: „In unserem Unternehmen werden 15 bis 20 verschiedene Sprachen gesprochen. Diversität ist für uns ein großes Thema – wir beschäftigen 130 Nationen.“ Gesucht werden vor allem Postboten, aber auch Mechatroniker und Berufskraftfahrer.

Positiv fiel auch das Fazit bei der AZ INTEC GmbH aus Olbernhau aus. „Wir kamen eigentlich nur mal zum Schauen – und sind überrascht“, berichtete Personalleiterin Jacqueline Pápa. Viele Mitarbeiter gehen in den kommenden Jahren in Rente, der Bedarf an Nachwuchs ist groß. „Wir haben heute zahlreiche Bewerbungsmappen erhalten und viele Kontakte geknüpft.“ Besonders bemerkenswert: Viele Bewerber überzeugten im direkten Gespräch stärker als ihr offizielles Sprachniveau vermuten ließ. „Wir werden Probearbeiten anbieten, um vor allem Fingerfertigkeit und Motivation zu testen.“

Auch das Santé Royal Gesundheitsresort Warmbad war erstmals beim Job-Kontakt dabei und zeigte sich beeindruckt. „Wir sind absolut überrascht über den hohen Zuspruch, das ehrliche Interesse und die Vielfalt an Nationen und Abschlüssen“, sagte Direktorin Christiane Stadelmeier. Das Unternehmen beschäftigt bereits Mitarbeitende aus zwölf Nationen – von Polen über Syrien bis zur Mongolei. „Spannend waren heute viele Besucher, etwa ein Journalist aus Venezuela, der bei uns arbeiten möchte, um seine Sprachkenntnisse zu vertiefen oder eine Mediendesignerin aus Südamerika, die gern im Küchenbereich arbeiten möchte.“

Die Regionalverkehr Erzgebirge GmbH war bereits zum dritten Mal vertreten. Personalleiterin Nadja Schrödter sieht im Format einen wichtigen Baustein für die Zukunft: „Unsere altersbedingten Abgänge können wir allein durch Ausbildung nicht stemmen. Die Besucher sind sehr motiviert und interessiert an unseren Berufen.“ Besonders wertvoll seien die direkten Gespräche: „Mir macht es Freude, unsere Jobs vorzustellen, wenn ich echtes Interesse spüre.“

Zum ersten Mal dabei war die Diakonie Marienberg. Personalleiter Ehrenfried Lorenz kam zunächst mit gemischten Erwartungen. „Die Sprache ist in der Pflege das wichtigste Medium, außerdem fehlt häufig der Führerschein“, erklärte er. Dennoch fiel sein Fazit positiv aus: „Der Andrang war groß und die Begegnungen waren sehr interessant.“

„Ich bin erwartungsfrei gekommen und wurde sehr positiv überrascht von den vielen Besuchern und guten Gesprächen“, sagte Personalerin Sabine Münzer der GRÜNPERGA Papier GmbH. Einige Interessierte hinterließen direkt ihre Lebensläufe. „Wir sind ein sehr buntes Team und sehen im Gewinnen ausländischer Fachkräfte eine große Chance für die wirtschaftliche Zukunft im Erzgebirge.“

Der „Job-Kontakt“ zeigte damit erneut: Das Interesse an Arbeit im Erzgebirge ist groß – ebenso wie die Bereitschaft der Unternehmen, neue Wege in der Fachkräftegewinnung zu gehen. Die Mischung aus persönlichem Austausch, Dolmetschern und niedrigschwelligem Zugang erwies sich für beide Seiten als Gewinn.

Job-Kontakt wird von der Fachkräfterichtlinie zur Fachkräftesicherung im Freistaat Sachsen gefördert.