Das Thema: Fachkräfte - Der Kampf um Köpfe

Fast 3000 freie Stellen hat die Agentur für Arbeit im Erzgebirgskreis registriert. Die Demografie und eine sich verändernde Arbeitswelt verschärfen die Situation: eine Herausforderung für Firmen und Chance für Arbeitnehmer.

STOLLBERG - Bis 2025 wird der Erzgebirgskreis rund 40.000 Einwohner verlieren. Davon geht die Agentur für Arbeit aus. Das wäre ein Rückgang von 17,2 Prozent. Bewahrheitet sich diese Prognose, würde der Landkreis sachsenweit am stärksten ausbluten – noch stärker als der Vogtlandkreis oder die Region Görlitz. Schon jetzt fehlen im Erzgebirgskreis knapp 3000 Arbeitskräfte. Für Gesellschaft und Wirtschaft stellt das eine enorme Herausforderung dar. Es wird verstärkt um Personal gehen. „Die Unternehmen stehen heute vielmehr in der Verantwortung“, sagt Jana Dost, IHK-Geschäftsführerin im Erzgebirge. Denn die Rollen haben sich verschoben, wie Markus Winkelströter, Hauptgeschäftsführer der Handwerkskammer Chemnitz, feststellt: „Ein junger Mensch hat heute alle Optionen. Das gab es seit 25 Jahren nicht mehr.“ Die Unternehmen müssen also ihre Strategien ändern.

Ausbildung: Die Handwerkskammer legt einen Schwerpunkt darauf, die jungen Leute für spezielle Berufe zu interessieren. Dazu gehen die Berater in die Schulen, um dort die Berufsorientierung zu unterstützen. [...] Auch die IHK legt einen besonderen Fokus auf Berufsorientierung. [...]

Akquise: Der Blick der Unternehmen hat sich geweitet. Das belegen Zahlen der Agentur für Arbeit. Demnach haben zuletzt weniger Menschen zum Arbeiten das Erzgebirge verlassen; gleichzeitig pendeln mehr Personen für den Job ins Erzgebirge. Zwar arbeiten in der Region vergleichsweise wenige Menschen aus dem Ausland, doch die Quote steigt. „Jüngst haben wir besonders Zuwanderung aus Tschechien festgestellt“, sagt Agentur-Sprecherin Simone Heinrich. „Wir brauchen diese internationale Öffnung“, bestätigt Dost. Sie hat allerdings weniger den südlichen Nachbarn im Blick – eher Rumänien, Ungarn oder Polen. Eine Schnellimbisskette rekrutiere sogar Personal aus Mazedonien. Auf diese Zielgruppe ist auch die gemeinsame Kampagne „#Good Job / #Good Life“ (Guter Job / Gutes Leben) der Kammern und des Deutschen Gewerkschaftsbundes (DGB) abgestimmt. „Wir müssen es schaffen, dass unsere Region lebenswert dargestellt wird“, betont Dost. Das ist für Benno Birke, Geschäftsführer von Pro Beam Systems in Neukirchen, ein wichtiger Punkt: „Die Wirtschaft aus der Region ist gut aufgestellt und hat gut ausgebildetes Personal. Schwierig wird es, Führungskräfte aus den Ballungsräumen in die Region zu holen.“

„Ein junger Mensch hat heute alle Optionen.“

Weiterbildung: Die Unternehmen haben die Notwendigkeit von Weiterbildung nach Ansicht der Kammern weitestgehend erkannt. [...]

Qualifizierung: Neue Möglichkeiten eröffnen sich bei der Qualifizierung von Mitarbeitern. Gesetzliche Änderungen machen es möglich. „Der Kreis der Unternehmen, die eine solche Förderung in Anspruch nehmen können, ist größer geworden“, sagt Torsten Meyer, Qualifizierungsmanager bei der Agentur für Arbeit.

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Unternehmensnachfolge: Speziell bei familiengeführten Unternehmen gestaltet es sich zunehmend schwierig, Nachfolger für die Unternehmensfortführung zu finden. „Gerade im Einzelhandels- und Gastrobereich ist das ein Problem“, weiß Jana Dost. Die mitunter angespannte Personalsituation spielt hier gleich doppelt eine Rolle. [...]

 

Quelle: Freie Presse vom 27.02.2019, Blörn Josten