Aktionstag für kurze Arbeitswege und Rückkehr in die Heimat

Fachkräfte sind Mangelware im Erzgebirge. Die Wirtschaftsförderung will daher Abgewanderte unter anderem mit einer Messe zurückholen. Damit stößt sie auf offene Ohren - und Bewerbungen am Infostand.

Annaberg-Buchholz. Mehr als 360 Kilometer und knapp vier Stunden Fahrtzeit liegen zwischen München und Annaberg-Buchholz. Für Erzgebirger ist das tägliche Pendeln in die bayrische Hauptstadt daher ein Ding der Unmöglichkeit. Das weiß auch Virginia Hendel aus Sehmatal. Sie ist als Controllerin in München tätig, bleibt unter der Woche in der Stadt und kommt nur an Wochenenden ins Erzgebirge, um Familie und Freund zu sehen. Wenn es nach ihr geht, wird die Fahrerei bald ein Ende haben. "Ich mache kein Geheimnis daraus, dass ich irgendwann in die Heimat zurück möchte", sagt die 30-Jährige.

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Um Nägel mit Köpfen zu machen, besuchte sie gestern nicht nur den Pendleraktionstag im Annaberger GDZ, sondern nahm auch gleich eine Mappe mit Bewerbungsunterlagen mit. So konnte sie mit Betrieben ins Gespräch kommen - und sich quasi auf dem kurzen Dienstweg vorstellen.

Ungewöhnlich ist das nicht, wie Nadja Hahn von der Marienberger Maschinenbaufirma Meyer Drehtechnik sagt. Sie nahm die Vita von Virginia Hendel routiniert entgegen und hatte schon am Vormittag einige weitere Gespräche mit potenziellen Bewerbern.

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Um Fachkräfte zu locken, hält schon der Stand nicht mit Vorzügen hinterm Berg: ein Plakat wirbt mit der Zahlung von Zuschlägen, Übernahme von Kinderbetreuungskosten und Weiterbildungsmöglichkeiten. Damit steht Meyer Drehtechnik nicht alleine da, denn mit hohen Gehältern, wie viele Firmen in Westdeutschland es bieten, können erzgebirgische Betriebe kaum mithalten. Auch wenn sich diesbezüglich schon einiges getan hat. Laut Alexander Carl, Personalmanager des Annaberger Wohn- und Pflegezentrums WPA, können hiesige Unternehmen vor allem durch die Schaffung guter Rahmenbedingungen punkten.

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www.fachkraefte-erzgebirge.de/pendleraktionstag

 

Quelle: Freie Presse vom 28.12.2017, Sarah Hofmann