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Der große Klettertest!

Für manche Naturfotografen sind sie malerische Motive – für Sportler eine große Herausforderung: die Kletterfelsen im Erzgebirge. Längst sind sie mehr als ein Geheimtipp für Kletterbegeisterte aus ganz Deutschland. Wer im Erzgebirge lebt, hat den „Kletterpark Erzgebirge“ vor der Haustür. An rauschenden Bächen, in der Stille des Waldes oder am Fuße einer Stadt gelegen, haben alle Felsen eins gemeinsam: Sobald der Helm festsitzt und der Gurt gesichert ist, wird der Kopf frei für die spektakulären Routen. „hERZland“ war an vier Orten mit Einheimischen unterwegs.

Beatrice Jandek klettert seit 2024

aus Wolkenstein

„Klettern ist ein schöner Sport, bei dem ich jede Muskelgruppe bediene. Der Weg ist herausfordernd und ich liebe das gute Gefühl, oben zu stehen. Wir klettern zu zweit. Das ist gutes Teamwork, man wächst zusammen. Klettern ist Freiheit und Weitblick.“

Felsenliebe und Nervenkitzel im Erzgebirge. Was Hobbykletterer begeistert zeigt der große Kletterfelsentest. Achtung: lädt zum Nachahmen ein.

Heike Michael

gebürtige Marienbergerin

„Ich wandere schon viele Jahre sehr gern. Mit dem Klettern am Steig begann ich, weil ich mal etwas Neues ausprobieren wollte. Klettern ist Zusammenhalt, bindet die Freundschaft. Ich fühle Freiheit, genieße den Ausblick. Es ist schön, sich dann oben in ein Gipfelbuch einzutragen.“

Der Wolkensteiner-Hag- und Wolfspfad-Klettersteig

Unterhalb des Wolkensteiner Schlosses gibt es zwei Klettersteige: den Wolfspfad als leichte Querung und den steilen Hag zum Schloss hinauf. Beide liegen oberhalb des Flusses Zschopau und sind großzügig mit Trittbügeln versehen. Der Hag endet an der Schlossmauer und bietet eine atemberaubende Aussicht auf die Landschaft und den Wolkensteiner Bahnhof. So, als würde man auf eine Modellbahnanlage schauen.

Einschätzung:
• Anspruch/Voraussetzungen: ❤❤❤
• Für Kinder geeignet (je nach Route und Erfahrung): ❤❤❤❤
• Naturerlebnis: ❤❤❤❤
• Aussicht: ❤❤❤❤❤
• Anfahrt/Weg: ❤❤❤❤❤

Walter-Keiderling-Klettersteig in Erlabrunn / Nonnenfelsen

Die Formation aus Turmalingranit ist eindrucksvoll, der Panoramablick wunderbar. Nach dem Einstieg über eine Leiter verläuft die gut gesicherte Route in steilem Gelände und ist teils etwas überhängend. Dann folgt eine lange Querung, bevor man gerade hinauf zum Gipfelbuch steigt. Das steile Finale führt zum Gipfelkreuz. Zum Abstieg geht es zur Burma-Seilbrücke und über die Abstiegsvariante in Schwierigkeit D (nur für Geübte) senkrecht bis leicht überhängend ca. zehn Höhenmeter hinab. Ein früherer Ausstieg ist vor der Brücke möglich. Für Steig ein bis zwei Stunden Zeit einplanen.

Einschätzung:
• Anspruch/Voraussetzungen: ❤❤❤❤❤
• Für Kinder geeignet (nur bedingt, für Geübte, aufgrund längerer Abstände der Trittbügel): ❤❤❤
• Naturerlebnis: ❤❤❤❤❤
• Aussicht: ❤❤❤❤❤
• Anfahrt/Weg: ❤❤❤❤❤



Kevin Frauenstein

aus Olbernhau

„Als ich zu Corona Langeweile hatte, bin ich mit einem Kumpel mitgegangen und fand Klettern gleich gut. Es ist ein super Ausgleich zu meinem Bürojob. Trainieren verlangt viel Geduld und Verständnis für die Natur, die uns das alles ermöglicht. Man braucht gute Leute, weil Klettern allein längst nicht so viel Spaß macht – vor allem ist es so viel sicherer.“

Greifensteine – das Kletterparadies bei Ehrenfriedersdorf und Geyer

Unweit der Stadt liegt das Klettergebiet Greifensteine mit seinen beeindruckenden Granitformationen. Seit über 100 Jahren bieten sie Anfängern und Erfahrenen eine Vielzahl an Klettermöglichkeiten in einzigartiger Naturlandschaft. Die Absicherung ist traditionell, erfordert sicheren Umgang mit Friends, Keilen und Schlingen. Von den sieben Felsen aus schaut man über den Wald weit ins Erzgebirge. In der Vergangenheit wurde hier Granit abgebaut. Heute bietet das Freilichttheater, die Naturbühne Greifensteine, im Sommer regelmäßig Veranstaltungen und Aufführungen für Groß und Klein.

Einschätzung:
• Anspruch/Voraussetzungen: ❤❤❤❤
• Für Kinder geeignet: ❤
• Naturerlebnis: ❤❤❤
• Aussicht: ❤❤❤❤
• Anfahrt/Weg: ❤❤❤❤❤


Teresa Kempe

aus Amtsberg

„Ich begann als Schülerin über den DAV Chemnitz in der Halle zu klettern. Klettern bedeutet, mich in der Natur zu bewegen, Grenzen auszutesten und auszuweiten. Es ist Zeit, die man mit Freunden verbringt. Man trägt füreinander Verantwortung und braucht Vertrauen in die eigene Kraf t und die Fähigkeiten. Ich empfehle, sich auch mal Gruppen anzuschließen.“

Anja Hofmann-Hähle

aus Gelenau

„Beim Klettern bekomme ich den Kopf frei – Klettern erdet einen. Ich habe in der Halle in Pockau angefangen, heute klettere ich gern drinnen und draußen. In der Halle geht es mir mehr um Leistung, darum, besser zu werden. Draußen genieße ich das Naturerlebnis, die frische Luft, das Abenteuer und vor allem die Gemeinsamkeit.“

Kletterparadies im Schwarzwassertal – das Katzensteinklettergebiet

Mitten im malerischen Schwarzwassertal liegt das Katzensteinklettergebiet. Für Erfahrene, die mit mobilen Sicherungen umgehen können, ist es sehr lohnenswert: abwechslungsreiche Landschaft, spektakuläre Ausblicke und intensives Naturerlebnis. Nur ausgewählte Felsen sind im Naturschutzgebiet freigegeben: Silberwand, Teufelsmauer, Wildschütznadel, Nonnenfelsen, Katzensteinnadel und Goldkrone. Der feste Gneis hat meist gute Struktur und Griffigkeit. Die Routenvielfalt reicht von klassisch bis anspruchsvoll. Besonders die Goldkrone bietet Herausforderungen im Schwierigkeitsgrad 7–8. Vom Nonnenfelsen und der Katzensteinnadel gibt es die schönsten Ausblicke über das Schwarzwassertal. Im Gebiet finden sich alle Schwierigkeitsgrade, jedoch ist die Absicherung größtenteils gering, die meisten Routen müssen traditionell geklettert werden. Im Sommer kann man sich in der „Schwarzen Pockau“ erfrischen.

Einschätzung:
• Anspruch/Voraussetzungen: ❤❤❤❤
• Für Kinder geeignet (je nach Route und Erfahrung): ❤❤❤❤
• Naturerlebnis: ❤❤❤❤
• Aussicht: ❤❤❤❤
• Anfahrt/Weg: ❤❤❤


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Das sagt der Profi Michael Meyer

AG neue Wege/DAV Sektion Chemnitz

„Das Spezielle an den erzgebirgischen Klettergebieten ist nicht ihre Größe und Höhe, sondern die Vielseitigkeit und die meist ruhigen, selten überlaufenen Plätze. Die Verbindung von Wander- oder Radtouren mit den verstreut liegenden Kletterzielen sind ein besonderes Naturerlebnis. Die Greifensteine mit der Gipfellage im Geyrischen Wald mit wunderschöner Aussicht haben vom Fels her (Granit) einen anderen Charakter als das Katzensteingebiet (Gneis) bei Pobershau mit bis zu 55 m hohen Wänden, die fast alpines Klettergefühl in sehr schöner Tallage erzeugen. Die Auswahl zwischen klassischen Kletterrouten, für die Klemmkeile, Friends oder Seilschlingen zur Sicherung benötigt werden, und neueren Sportkletterrouten, für die nur Expressschlingen zum Einhängen in die Bohrhaken gebraucht werden, ist groß. Oft findet sich beides am gleichen Fels. Ältere Routen entsprechen dem Geist ihrer Zeit und sind klassisch abgesichert, während neuere Routen als Sportklettern einzustufen sind. Es kann nie schaden, einige Klemmkeile und mobile Sicherungsmittel im Rucksack zu haben.“

Fachliche Infos können beim DAV Chemnitz (www.dav-chemnitz) oder beim Outdoorteam (www.outdoorteam-westerzgebirge.de) angefragt werden.

Bewertung
❤❤❤❤❤ perfekt
❤❤❤❤     nahezu perfekt
❤❤❤         geht so
❤❤             Luft nach oben
❤                 nicht zutreffend

Text: Sabine Schulze Schwarz

Fotos: Dirk Rückschloß