Ruf nach Fachkräftezuwanderung wird lauter

Für zwei von drei Betrieben ist Fachkräftemangel Geschäftsrisiko Nummer eins. Inländer und EU-Ausländer reichen zum Schließen der Lücke längst nicht. Doch auf was kommt es bei Fachkräftezuwanderung an?

Berlin (dpa) - Angesichts wachsenden Arbeitskräftemangels in Deutschland fordert der Chef der Bundesagentur für Arbeit (BA), Detlef Scheele, Zuwanderung von Fachkräften per Gesetz.

Die SPD dringt auf eine schnelle Umsetzung des entsprechenden Koalitionsprojekts. Die Organisation für wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung (OECD) macht sich dafür stark, dass potenzielle Einwanderer bereits vor der Einreise Deutsch lernen.

«Wir brauchen ein Fachkräftezuwanderungsgesetz», sagte der BA-Vorstandschef Scheele der Deutschen Presse-Agentur in Berlin. Das Arbeitskräftepotenzial steige langsamer als die Beschäftigung. «Unsere Forscher rechnen für dieses Jahr mit 760 000 zusätzlichen sozialversicherungspflichtigen Beschäftigungsverhältnissen, aber nur mit 260 000 zusätzlichen potenziellen Erwerbspersonen zwischen 15 und 65 Jahren», sagte Scheele. Dies seien Inländer und Ausländer.

«Wir werden die Lücke nicht alleine durch Inländer und EU-Ausländer decken können», sagte Scheele. Nötig sei ein Gesetz, das die Regeln zur Einwanderung systematisiere. Der BA-Chef betonte: «Aus unserer Sicht sollten Fachkräfte und keine Ungelernten zuwandern können.»

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Laut Arbeitsmarktreport 2018 des Deutschen Industrie- und Handelskammertages ist für 60 Prozent der deutschen Betriebe der Fachkräftemangel heute Geschäftsrisiko Nummer eins. Insgesamt könnten rund 1,6 Millionen Stellen längerfristig nicht besetzt werden.

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So sei die Zahl der Beschäftigten zwischen 2012 und 2017 um 2,88 Millionen auf den Rekordwert 32,16 Millionen gestiegen - um 1,61 Millionen Inländer und 1,28 Millionen Ausländer, davon 889 000 EU-Zuwanderer und nur 386 000 aus Drittstaaten. Auf längere Sicht sei Deutschland auf Zuwanderer aus diesen Ländern angewiesen, da auch die anderen EU-Länder vom demografischen Wandel betroffen seien und Arbeitskräfte bräuchten. Bei den hier beschäftigten Indern habe es binnen fünf Jahren einen Anstieg um 20 000 auf 37 000 gegeben.

«Es gibt einen Wettbewerb um die besten Köpfe weltweit», sagte Scheele. Im Übrigen zünde das Argument nicht, dass wegen der vielen Flüchtlinge keine Fachkräftezuwanderung nötig sei. «Das sind zwei unterschiedliche Dinge.»

 

Quelle: Freie Presse vom 06.05.2018, Basil Wegener und Anne-Béatrice Clasmann, dpa

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