Bald Pfleger aus Mexiko in Sachsens Heimen

Im Ausland werden für sächsische Firmen Fachkräfte gesucht. Vermittlungen sind selten. Es gibt vier Hürden.

Im Aufenthaltsraum im ersten Stock des Seniorenzentrums Elbharmonie in Riesa herrscht lebhaftes Stimmengewirr. Elf Frauen und vier Männer, alle schwarzhaarig, sitzen in blauen Ohrensesseln, rufen sich irgendwelche Worte zu und wenden dabei kleine Kärtchen in den Händen um. Es sind die ersten 15 Pflegekräfte aus Mexiko beim Vokabeltraining, die die Azurit-Gruppe für ihre mehr als 70 Senioren- und Pflegezentren in Deutschland angeworben hat.

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Der Weg nach Riesa war lang und kostete viel Herzblut. Drei Frauen sind Mütter, sie werden ihre Kinder erst wieder sehen können, wenn die rechtliche Vollanerkennung ihres Berufsabschlusses stattgefunden hat. Vor September 2019 wird das vermutlich nicht der Fall sein, meint Sebastian Merle. Der Teamleiter für den Internationalen Personalservice (IPS) bei der Landesarbeitsagentur in Dresden hat die 15 Pflegekräfte in Mexiko angeworben und nach Riesa gebracht. Zehn Monate dauerte das.

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Sachsen braucht bis zum Jahr 2022 rund 15 000 zusätzliche Pflegekräfte. Doch frei verfügbare sind auf dem sächsischen Arbeitsmarkt nicht zu finden. Deshalb schaltete Azurit den IPS ein. Er sucht ausländische Fachkräfte, die im Ausland leben. Sebastian Merle und sein siebenköpfiges Team orientieren sich dabei am Engpaß der Bundesagentur für Arbeit, also an Berufen, wo offene Stellen nicht durch deutsche Arbeitskräfte besetzt werden können. Die größten Engpässe sind bei Pflegekräften und Ärzten, IT-Experten und Ingenieuren, Handwerkern und Fachkräften für das Baugewerbe. Im Unterschied zu den akademischen Berufen sei die Suche nach Handwerkern und Baufachkräften sehr kompliziert, da die Voraussetzungen oft nicht erfüllt werden könnten, so Merle

Das Beispiel der mexikanischen Pflegekräfte zeigt, dass Ängste vor dem massenweisen Zustrom ausländischer Arbeitnehmer unbegründet sind. Denn es gibt viele Hürden zu überwinden, um in Deutschland arbeiten zu können. Und dann gibt der Arbeitsvermittler einen Grundkurs in Zuwanderung 4.0.

Erste Hürde - Positivliste: 

Kommen dürfen nur Fachkräfte, deren Berufe auf der sogenannten Positivliste stehen. [...]

Zweite Hürde - Berufsabschlüsse:

Kommen dürfen nur Fachkräfte mit einer nachweisbaren Berufsqualifizierung. [...]

Dritte Hürde - Sprachkenntnisse: 

Die Jobbewerber müssen Deutsch können. [...]

Vierte Hürde - Anerkennungsverfahren: 

Im Bereich der reglementierten Berufe benötigen ausländische Fachkräfte die Anerkennung des ausländischen Abschlusses. [...]

 

Quelle: www.wirtschaft-in-sachsen.de, Nora Miethke